Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht – Andrea Petković

Sie hat was zu sagen. Klare Sache. Vor dem Lesen kam bei mir kurz das Gefühl auf, das ich oft schon hatte. Das Gefühl: Das ist eins dieser Bücher, die nur Promis veröffentlichen dürfen. Das Gefühl hinterlässt einen faden Beigeschmack. Ich habe es weggeschoben und das war auch gut so. Schade, dass sie das selbst nicht so richtig weggeschoben hat, zumindest hatte ich den Eindruck. In der Einleitung gibt die Autorin eine Geschichte wieder, die sie dazu ermächtigen soll, das Buch schreiben zu dürfen. Sie schildert eine Geschichte, die ihr Vater immer wieder erzählt hat. Die Autorin benutzt sie, um eingangs klarzustellen, dass sie aus einem Haushalt kommt, in dem immer Geschichten erzählt wurden. An der Stelle bekomme ich einen Dämpfer – braucht sie diese Legitimationsgrundlage für ihre eigene Erzählung wirklich? Eigentlich nicht. Schade, finde ich, dass sie das glaubt – oder der Verlag. Whatever.

Andrea Petković hat etwas zu sagen: was es heißt, einsam zu sein, was es heißt, sich in die Elite reinzukämpfen, bis sie in der Schwere ihrer Drinks erkennt, dass Elite und Kampf nur mühselig auf einer Tanzfläche tanzen können. Sprachlich bleibt sie authentisch – offenkundig konnten sich die Lektoren nicht immer bei ihr durchsetzen. Vielleicht ist das gar nicht schlecht. So lesen sich einige Einschübe wie geheime Briefchen, die sie ihren Buddies unter der Schulbank durchreicht. Hat was. Ich freue mich eigentlich auf das nächste Buch. Ich freu mich aber mit so einem mulmigen Gefühl. Hoffentlich legen die Verlage die Frau, die etwas zu sagen hat nicht an die Leine. 

Andrea Petković, Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht: Erzählungen, Kiepenheuer&Witsch, Erstveröffentlichung Oktober 2020

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